16. April 2007

Stadt mit Flussgeschichte

Der höchst Berg der Welt? Der tiefste Tiefseegraben der Meere? Der längste Flusslauf der Kontinente? - Wer braucht das alles, wenn das Spektakuläre doch so nahe liegt!

Zum Beispiel in Eberbach am Neckar: Hier steht nicht nur der höchste Baum Deutschlands, hier gibt es vermutlich auch die besten Bärlauchgerichte und - das ist hier natürlich das Wichtigste! - die meisten Umlaufberge innerhalb einer Gemarkungsgrenze! Ich kenne zumindest keine zweite Stadt, die drei, vielleicht sogar fünf alte Umlaufberge aufweisen kann.

"Umlaufberge" bleiben zurück, wenn alte Flussschleifen abgeschnitten werden und trocken fallen. Wer mehr darüber wissen und ein wunderbares Fleckchen Erde durchwandern will, und wer dabei die Erd- und Flussgeschichte kennen lernen möchte - der ist herzlich willkommen am 29. April auf geheimnisvollen Pfaden in eine dynamische Flussgeschichte! Anmeldung per Mail oder Telefon.

29.04.2007
Lebendiger Neckar – dynamische Flussgeschichte
Vom Hafen in der Altstadt aus wandern wir in eine herrliche, historisch gewachsene Kulturlandschaft hoch über dem Eberbacher Stadtgebiet. Hier gibt es wunderbare Aussichten und ein erstaunliches Rätsel: Wieso befindet sich weit oberhalb des heutigen Neckarlaufs ein urzeitliches, trockengefallenes Flusstal? – Wir werfen einen Blick in die spannende Entstehungsgeschichte des Neckars und entdecken drei Umlaufberge, die als Relikte einer gewaltigen Flussdynamik erhalten blieben.
Treff: 10 Uhr, Eberbach, Neckarlauer (Zuganreise möglich)
Dauer: 5 Stunden
Kosten: Erwachsene 10 €, 12 - 17 Jahre: 5 €, Kinder bis 11 Jahre in Begleitung: 1 €
Anmeldung/Auskunft: M. Hahl, Tel. 0 62 74/92 92 97 oder per Mail siehe www.proreg.de

11. April 2007

Mantel Plumes - heiße Zungen aus der Erdtiefe

Auf dem Planeten Erde ist bekanntlich alles in Bewegung, sogar die Wissenschaft der Erde, die Geologie, die sich mit so manchen dynamischen, längst nicht abschließend geklärten Forschungsfragen beschäftgt: Auch das Konzept der Mantel Plumes ist ein heiß umforschtes Feld zeitgemäßer Geowissenschaft.

Mantel Plumes bestehen aus partiell aufgeschmolzenem Erdmantel-Material, das etwa 200°C heißer ist als das umgebende zähflüssige Mantel-"Gestein". Diese thermische Abweichung ist beispielsweise aus Erdbebenwellen messbar, die sich im heißeren Mantel langsamer fortpflanzen. Grund des Aufsteigens der Mantel Plumes liegt entweder in ihrer Zusammensetzung und Dichte oder ist thermisch bedingt. Etwa 10 % des Wärmeverlustes der Erde wird auf aufsteigende Plumes zurückgeführt. Mantel Plumes bilden sich entweder an der Mantel-Kern-Grenze oder in der Nähe der Grenze zwischen oberem und unterem Mantel bei rund 660 km Erdtiefe.

Ungeklärt ist noch so manches rund um die Plumes, beispielsweise ob sie kontinentale und ozeanische Platten auseinander drücken können und damit auch als Antriebsmechanismus für die Plattentektonik in Frage kommen. Die Größe der Mantel Plumes kann sehr unterschiedlich ausfallen. Man findet sie sowohl unter der Eifel als auch unter dem Supervulkan Yellowstone Nationalpark.

Gerade auf dem Fachbuchmarkt erschienen ist ein prallgefülltes und multidisziplinäres Buch, das auf 500 Seiten und für "gerade mal" 160 Euronen die brandheißen News der Plume-Forschung wiedergibt: Mantle Plumes. A Multidisciplinary Approach.


Hier finden Sie noch eine Mantel Animation.

5. April 2007

Neues von den Urzeitriesen

Sodale, es ist soweit, die Schwaben haben sich Saurier zugelegt! Wer sich ihre neuesten Haustierchen in der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg aus der Nähe anschauen möchte, muss aber aufpassen, dass er nicht in einer Herde Schwäbischer Lindwürmer niedergetrampelt wird, denn: Sie sind unter uns...

2. April 2007

Stromatolithen - Urzeitliche Relikte der Meere

Kalksteine sind Zeugen einstiger Meeresböden. Kalkhaltige Bestandteile unterschiedlicher Meereslebewesen sammelten sich nach deren Absterben auf dem Untergrund an und wurden durch die Auflast nachfolgender Schichten zu Gesteinen verfestigt, in denen man oft auch Fossilien findet.

Wer in Kalkstein-Gebieten so etwas entdeckt, wie das, was Sie links auf dem Foto sehen, der hat es mit den ältesten bekannten Fossilien der Erdgeschichte zu tun: Stromatolithen.

Ihre ältesten Vertreter sind 3,5 Milliarden Jahre alt, und das ist eine ganze Menge! Aber es gibt durchaus auch jüngere Stromatolithen, beispielsweise in den gerade mal rund 240 Millionen Jahre jungen Muschelkalkschichten. Der hier vorgezeigte Vertreter ist ein solcher Muschelkalk-Block mit einer Stromatolithen-Oberfläche aus dem renaturierten HeidelbergCement-Steinbruch Nußloch.

Wenn man die Stromatolithen aufschneidet, erkennt man - von der Seite betrachtet - deutlich einen lagigen Aufbau. Dieser führt uns an die Entstehung dieser seltsamen Form heran: Die Produzenten heißen Cyanobakterien. Einst nannte man sie auch "Blaugrünalgen", aber diese Bezeichung ist wissenschaftlich heute nicht mehr zulässig.

Cyanobakterien bilden hauchfeine Mikrobenmatten, in denen sich dünne Lagen aus Kalkpartikeln verfangen, die wiederum von den Mikroben durchdrungen werden usw. So baut sich Lage für Lage auf, und eine Art biogener Teppich entsteht auf dem Boden der Meere.

Lebende Cyanobakterien findet man heute in salzhaltigen Lagunen oder kontinentalen Salzseen. Bekannte Vertreter gibt es an der westaustralischen Bucht mit dem eher ausladenden Namen "Shark Bay". Dort, wo Cyanobakterien als versteinerte Formen erhalten blieben, spricht man von Stromatolithen.

Übrigens trugen diese Photosynthese betreibenden Lebensformen vor 3,5 Milliarden Jahren wesentlich dazu bei, dass atmosphärischer Sauerstoff entstehen konnte. Kleine Wunder des Lebens, die man sich immer mal wieder vor Augen führen sollte! Holen Sie einmal tief Luft und trinken Sie ein Glas auf die uralten Cyanobakterien, die Prozesse in Gang brachten, welche uns das Atmen möglich machten.

Fotos: Bild 1/Hahl; Bild 2/www.fossilien.de

1. April 2007

Geotouren 2007

Nein, dies ist kein Aprilscherz, der fällt bei mir dieses Jahr aus, weil am ersten April nun schon genug Höhlen und Vulkanausbrüche im Odenwald entdeckt wurden.

Ich möchte heute auf meine Themenwanderungen hinweisen. Auf meiner Geotouren-Webseite finden Sie die aktuellen Termine 2007, die ich teils als Geopark-Ranger, teils in Kooperation mit dem Naturpark Neckartal-Odenwald durchführe. Zu diesen Terminveranstaltungen können Sie sich bei Interesse einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen bei mir anmelden, aus den Einzelanmeldungen bilden sich dann Wandergruppen mit erfahrungsgemäß ca. 10-30 Teilnehmern. - Die Anmeldung kann auf dem telefonischen Weg oder via E-Mail vorgenommen werden; ich bestätige per Rückruf oder Antwort-Mail.

Zu den bisher sechs festen Jahresterminen kommen weitere Führungen im renaturierten HeidelbergCement-Steinbruch Nußloch, die über das dortige Büro von Gruppen gebucht werden können (Auskünfte auch bei mir). - Außerdem biete ich noch viele Geotouren-Programme auf individuelle Gruppenanfrage an, sowohl für Erwachsenengruppen, als auch für Schulklassen, Jugendgruppen usw. - Meine freien Termine 2007 sind zwar etwas knapp bemessen, einerseits aus beruflichen, andererseits aus privaten Gründen, aber bei Interesse lohnt sich eine Anfrage. - Also, schauen Sie mal rein, und kommen Sie mit raus: geotouren.de !

Und hier noch der Schnellüberblick:
29.04.2007, Lebendiger Neckar – dynamische Flussgeschichte (Eberbach)
13.05.2007, Eiszeitliche Spuren am Heidelberger Felsenmeer
17.06.2007, Feuerberg Katzenbuckel (Waldbrunn)
01.07.2007, Punktgenau in die Erdgeschichte! (Eberbach)
15.07.2007, Heidelberger GeoLiteraTour

(Themenwanderung mit Michael Hahl und Yvonne Weber)
21.10.2007, Das vergessene Neckartal (Eberbach)