29. Mai 2012

Als am Katzenbuckel ein Steinklopfwerk stand

Geo-Exkursion am 3. Juni nimmt auch alte Steinbrüche ins Visier

Neunzig Jahre ist es her, da wurde das basaltähnliche Gestein am Waldbrunner Katzenbuckel – heute ein landschaftliches Kleinod – für den gewerblichen Großabbau freigegeben. Im April 1922 ließ sich das Basaltwerk Katzenbuckel, eine Zweigfirma der Porphyrwerke Weinheim, ins Handelsregister Eberbach eintragen. Im selben Jahr trat dann ein Pachtvertrag mit der Gemeinde Waldkatzenbach in Kraft, mit dem man der neu gegründeten GmbH auch das Recht einräumte, „ein Steinklopfwerk mit allen dazugehörigen Nebenanlagen“ auf dem Katzenbuckel zu errichten. – Eine Geoexkursion, die am 3. Juni im Rahmen der Europäischen Geoparkwoche stattfindet, wird nicht nur den Vulkanausbruch geologisch beleuchten, der vor über 65 Millionen Jahren zur Entstehung des Katzenbuckels führte, auch die einstigen Steinbrüche Michelsberg und Gaffstein werden dem Freizeitpublikum dabei vorgestellt.

Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert hatte der Bedarf an hartem Gestein vom Katzenbuckel zugenommen. Man verwendete die zu Schotter zertrümmerten Basaltbrocken vor allem für den Straßenbau. Eine geologische Kartierung von Wilhelm Freudenberg, veröffentlicht im Jahr 1906, zeigt genau dort, wo heute das Restaurant Turmschenke steht, noch einen Gesteinsaufschluss. Hier hatte der damalige Eigentümer des Geländes, Wilhelm Krämer, ein kleines Steinklopfwerk errichtet; nicht weit davon entfernt begann auch die Gemeinde Waldkatzenbach Basalt zu brechen. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte mit der Verpachtung an das neue Basaltwerk Katzenbuckel dann der großgewerbliche Abbau ein, durch den ein Teil des Berges für fünf Jahrzehnte zur Bergbaulandschaft werden sollte. (Geologische Karte aus: Freudenberg, W., 1906, Geologie und Petrographie des Katzenbuckels im Odenwald. Mitteilungen der Badischen Geologischen Landesanstalt, 5, 185-344)
Während Freudenberg ein Stück östlich des 626 Meter ü. NN hohen Katzenbuckel-Gipfels, genau genommen auf der Höhenlinie von 605 Metern, noch einen Felsen mit dem Namen Gaffstein in seine Karte eintrug, konnte der Geologe Walter Hasemann im Jahr 1926 nur noch einen Steinbruch kartieren; der einstige Felsturm war bereits dem Abbau zum Opfer gefallen. Steigende Nachfrage führte im Jahr 1927 zur Errichtung eines größeren Schotterwerkes und immens ansteigender Produktion. Als der Gaffsteinbruch schon nahe bis an den Katzenbuckelgipfel, der sich noch bis 1954 in Markgräflich Badischem Familienbesitz befand, herangekommen war, wurde das Basaltwerk 1934 vom Bezirksamt Mosbach aufgefordert, den Abbau an der Ostflanke baldigst einzustellen und nur noch am südöstlichen Katzenbuckelhang, am Michelsberg, Gestein zu brechen.


Im Zweiten Weltkrieg kam der Abbau zunächst zum Erliegen, setzte aber nach 1945 wieder ein. Seit 1955 nahm die jährliche Produktionsmenge mit einem neuen Pachtvertrag zwischen Gemeinde und Basaltwerk stark zu und betrug bald das Zehnfache des Jahresabbaus der 20er Jahre. Als man sich im Bereich des Michelsbergs Sohle für Sohle tiefer ins Gestein hineingesprengt hatte, war es in den 60er und 70er Jahren schließlich immer schwieriger geworden, hier noch rentabel abzubauen. Da man bei den Sprengungen offenbar einen alten Grundwasserleiter „angezapft“ hatte, bildete sich ein Steinbruchsee (Foto: Blick in den aufgelassenen Steinbruch am Michelsberg; Aufn.: Hahl). Bald begrenzten auch die Belange des Landschaftsschutzes und der touristischen Entwicklung das Abbaupotenzial, wie Gerhard Neureither in einem sehr gut recherchierten heimatkundlichen Beitrag ausführt, erschienen 2004 in der Ortschronik Waldkatzenbach, zum „Steinbruch am Katzenbuckel“.

Im Jahr 1974 wurde der Steinbruchbetrieb endgültig stillgelegt. Die „Landschaftsnarbe“ konnte sich seither durch natürliche Sukzession zum wertvollen Biotop entwickeln. Der See und die markanten Felswände im einstigen Steinbruch am Michelsberg sind den Besuchern des Katzenbuckels wohlbekannt. Am ehemaligen Gaffsteinbruch wird in diesem Sommer zudem eine neue Lehrpfad-Tafel errichtet, die zur Zeit bearbeitet wird. Wer sich mit den Steinbrüchen sowie den geologischen und vulkanologischen Geheimnissen des Vulkanrelikts weiter vertraut machen möchte, kann am kommenden Sonntag, dem 3. Juni um 14 Uhr an den Parkplatz neben der Waldbrunner Turmschenke kommen, um gegen einen Unkostenbeitrag von 4,50 Euro an einer zweistündigen Geoexkursion mit Michael Hahl im Auftrag der Gemeinde Waldbrunn teilzunehmen. Sommerliche Katzenbuckel-Exkursionen werden dann am 15. Juli und 9. September unter Leitung von Hahl und am 19. August mit Dr. Marco Lichtenberger stattfinden, auch im Herbst folgen zwei weitere Führungen.


(Bilder zum Vergrößern anklicken)

1. Mai 2012

Einblicke in die Eberbacher Flussgeschichte

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit Dr. Manfred Löscher ins Gelände zu gehen, um auf der Suche nach flussgeschichtlichen Spuren drei Bohrungen vorzunehmen.

Wir waren am Eberbacher Schollerbuckel, wo ein alter Neckarlauf mäandrierte, der - nach neueren Einschätzungen - vor etwa 600.000 Jahren abgeschnürt wurde.

Der Forschungsstand basiert auf geomorphologischen Erkenntnissen. Absolute Datierungen fehlen, eindeutige Funde sind bislang nicht nachweisbar.

Mit Sicherheit aber ist dieses Gelände, durch das im Übrigen auch der vom Projektbüro proreg konzipierte "Eberbacher Pfad der Flussgeschichte" verläuft, ein äußerst spannendes Forschungsgebiet für die südwestdeutsche Flussgeschichte.

Um den trockengefallenen Schollerbuckel-Mäander unter die geologische Lupe zu nehmen, sollten die eingebrachten Bohrungen erste Einsichten bieten.


Über die Ergebnisse sowie weitere Geländearbeiten werden Löscher u. Hahl zu gegebener Zeit noch Näheres berichten; eine Publikation dazu ist in Aussicht ...

19. April 2012

proreg mit neuer Internetpräsenz


Seit dieser Woche präsentiert sich das Projektbüro proreg unter www.proreg.de mit einer rundum neu gestalteten Homepage im Internet. Die Unternehmensseite zeigt die Kernkompetenzen, die von geo- und wandertouristischer Planung über Landschaftsmarketing und wissenschaftsjournalistische Aktivitäten bis hin zur Umweltbildung - Geotouren und Vorträge - reichen. Auch die in bislang fast zehn Jahren Berufserfahrung bearbeiteten Projekte werden vorgestellt.

Wer mehr dazu erfahren will, kann sich auf der neuen Netz-Seite durch die Menüpunkte klicken.

26. Februar 2012

Auf den Spuren des Vulkans

Geoexkursionen 2012 am Katzenbuckel

Am Katzenbuckel erzählt uns das magmatische Gestein noch heute von einem gewaltigen explosiven Vulkanausbruch vor über 65 Millionen Jahren. Aus der glutflüssigen Schmelze, die sich in einen Explosionstrichter ergoss, formte die Erosion im Lauf der Jahrmillionen den höchsten Berg des Odenwaldes. Entdecken Sie die Geheimnisse des alten „Feuerbergs“ auf einer etwa 1,5 km langen Führung der Gemeinde Waldbrunn unter Leitung des Geographen und Geopark-Rangers Michael Hahl M.A. oder des Diplom-Geologen Dr. Marco Lichtenberger. Die Führungen finden jeweils sonntags an folgenden Terminen statt:

25.03.; 14 Uhr Lichtenberger
22.04.; 14 Uhr Lichtenberger
03.06.; 14 Uhr Hahl
15.07.; 14 Uhr Hahl
19.08.; 14 Uhr Lichtenberger
09.09.; Achtung! bereits 10 Uhr Hahl
07.10.; 14 Uhr Hahl
04.11.; 14 Uhr Hahl

(Termine können im Bedarfsfall unter den beiden Referenten getauscht werden.)




























Der Treffpunkt für die Geoexkursionen ist an der ersten Lehrpfad-Tafel auf dem Parkplatz neben der Turmschenke (Waldbrunn, Katzenbuckel); die Führungen dauern ca. 2 Stunden. Teilnahmebeitrag: 4,50 EUR für Erwachsene; 2,50 EUR bis 12 Jahre; Kurkarteninhaber frei. Keine Anmeldung erforderlich. Teilnahme auf eigene Gefahr. Bitte immer auf wettergemäße Kleidung und gutes Schuhwerk achten!

13. Februar 2012

Vortrag in Mauer: Mittwoch, 15.02.

Neckartal - Mythos mit Mäandern
Flussgeschichtliche und kulturhistorische
Streifzüge im südlichen Odenwald

Vortrag von Michael Hahl beim Verein
Homo heidelbergensis e.V. in Mauer



Alle Fotos:
Sylvia Knörr
(ins Weblog eingepflegt am 21.02.2012)

Die abschließende Fragerunde des mit etwa 80 Zuhörern gut besuchten Vortrags hat begonnen.





Dr. Manfred Löscher (links im Bild), Dr. Rainer Köthe (Mitte), Prof. Günther A. Wagner (ganz links) und Michael Hahl im Gespräch.







Der Vereinsvorsitzende von Homo heidelbergensis e.V., Erich Mick, Bürgermeister von Mauer a.D., überreicht dem Referenten ein 2007 erschienenes Buch.





Schauvitrinen der Vereinssammlung mit Funden aus dem Löss und den Flusssedimenten bei Mauer.










Kommentare:
"Herzlichen Dank für den ausgezeichneten, spannend vorgetragenen Vortrag über den Neckar. Er war in keiner Minute langweilig!" (E-Mail v. Birgit Klapdor, Lehrerin); "Noch nie hat ein Vortrag über zwei Stunden das Publikum so gefesselt." (E-Mail v. Dr. habil. Jürgen Schweizer, stv. Vorsitzender des Vereins Homo heidelbergensis) - Herzlichen Dank für die Rückmeldungen!